Der Schengen-Raum als Rückgrat Europas

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Das Schengener Abkommen bezeichnet ein sukzessive ausgearbeitetes Regelwerk, das Binnengrenzen zwischen Mitgliedsstaaten abbauen soll. Seine Mitgliederliste stimmt in weiten Teilen mit derjenigen der Europäischen Union überein und geht auf Verträge von Mitgliedsstaaten in der Gemeinde Schengen in Luxemburg zurück. Trotz wiederholter Kritik muss man sich in Erinnerung rufen, dass die Regelungen von Schengen die europäische Integration vertieft haben – und immer noch vertiefen.

Ein Raum für ganz Europa

In erster Linie sollte dieser Schengenraum den Binnenverkehr zwischen seinen Mitgliedsländern erleichtern, um der Wirtschaft einen Anschub zu geben. Und das hat funktioniert. Das System war so attraktiv, dass auch Länder außerhalb der EU dazu beitraten, unter anderem die Schweiz und Norwegen. Auch Großbritannien hat sich nach dem Brexit den Status als Kooperationspartner gesichert, um nicht auf alle Vorteile Schengens verzichten zu müssen.

Und für die persönliche Freiheit ist es natürlich ein ganz großer Wurf. Man kann ins Auto steigen und bis zur Hermannsfeste in Ostestland fahren, ohne eine einzige Grenzkontrolle passieren zu müssen. Eine Fahrt an den Strand Andalusiens stellt ebensowenig ein Problem dar. Es würde wohl viel weniger Backpacker geben, die einfach mal losreisen, um ihre Nachbarländer zu sehen, wenn an der deutschen Grenze zu Polen immer noch eine schier unüberwindbare Grenze stünde. Auch die Freizügigkeit im Sinne einer Arbeitssuche ist ein großer Vorteil – sofern man es sich zutraut, kann man ein anderes Land probeweise bereisen und sich dort während eines Praktikums überlegen, ob man nicht einfach dort leben möchte.

Nur Vorteile?

Der Schengen-Raum ist trotzdem seit der Flüchtlingskrise von 2015 verstärkt in die Kritik geraten. Die Außengrenze der EU sei bis heute nicht vollständig gesichert, und so sei es folgerichtig, dass einige Mitgliedsstaaten die Konditionen zeitweise ausgesetzt und wieder Grenzkontrollen eingeführt hätten.

Das mag alles stimmen, aber eben im Falle der temporär wiedereingeführten Grenzkontrollen ist schließlich ersichtlich, dass die Schengen-Regelung keine ewige Pflicht darstellt. Und solange ein freier Personenverkehr unbedenklich ist, bringt er ganz Europa Vorteile.

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