Regionsmanager: Ausbau der E233 auf deutscher Seite dauert viel zu lange

Meppener Tagespost
19. November 2018
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Regionsmanager beim Städtering Zwolle-Emsland zu E 233, Dortmund-Ems-Kanal und Friesenbrücke

Meppen - Beim Thema Großprojekte wie Stuttgart 21 oder dem Flughafen in Berlin hat sich Deutschland in den letzten Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Doch auch in unserer Region geht es nur sehr zäh voran, wenn man an die kaputte Friesenbrücke bei Weener, den Ausbau der E233 oder auch den Dortmund-Ems-Kanal denkt. In den Niederlanden stößt dies oftmals auf Unverständnis und sogar Verärgerung, da das Nachbarland sehr an Infrastrukturmaßnahmen interessiert ist und in diese viel Geld investiert.

Gerhard Roelfes arbeitet in seinem Büro in der Innenstadt von Meppen gerade an einer neuen grenzübergreifenden Wirtschaftkampagne, die die Attraktivität der Region für Firmen und Unternehmen darstellen soll. Der Niederländer ist Regionsmanager beim Städtering Zwolle-Emsland und hat die Aufgabe, die Zusammenarbeit auf deutscher und niederländischer Seite zu verbessern und zu intensivieren sowie gemeinsame Projekte anzuschieben. Hierbei unterstützt er die zuständigen Gremien und koordiniert Maßnahmen zur Verwirklichung der vierspurigen E233. Seine Arbeitgeber sind alle Städte und Kommunen, die den Ausbau wollen und an der die E233 vorbeiführt, auf deutscher wie auf niederländischer Seite. "Die Niederländer haben großes Interesse, eng mit Deutschland zu arbeiten", sagt Roelfes. "Die Region hat großes Potential und hat sich in den vergangenen 20 Jahren toll entwickelt."

"Warum muss das so lange dauern?"
Trotzdem hakt es aus Sicht der Niederländer an einigen Stellen auf deutscher Seite, besonders bei Infrastrukturmaßnahmen. Gerade beim Ausbau der E233 verstehe man nicht, warum sich die Maßnahme so lange hinzieht. Seit zehn Jahren sei im Nachbarland die 42 Kilometerlange Trasse, die dort als Autobahn 37 ausgebaut wurde, fertig. In Deutschland seien gerade mal zwölf Kilometer von insgesamt 83 Kilometern fertiggestellt. "Wir können einfach nicht verstehen, warum das so lange dauern muss", erklärt Roelfes. "Es handelt sich doch um eine relativ einfache Straße. Es gibt keine Berge und Tunnel braucht es auch nicht. Klar, die Strecke verläuft durch ein Naturschutzgebiet, aber trotzdem ist die Zeitspanne zu lang." Der Baustart ist optimistischen Schätzungen zu Folge nicht vor 2022 zu erwarten. Mit rund fünf Prozent beteiligen sich die Niederländer direkt an den Planungskosten auf deutscher Seite.

Zu viel Bürokratie

Aus niederländischer Sicht gebe es in Deutschland einfach zu viel Bürokratie. "Wir hoffen, dass das Planfeststellungsverfahren nicht länger als zwei Jahre dauert und dann endlich mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen werden kann", sagt Roelfes. In seinem Heimatland hingegen gingen diese Projekte viel schneller voran. Es gebe viel kürzere Fristen und weniger Möglichkeiten, gegen Bauvorhaben vorzugehen. Trotzdem würden die Bürger mit einbezogen, ihre Bedenken und Einwände geprüft und berücksichtigt. Hierbei käme auch der Umweltschutz nicht zu kurz.

Problem Ost-West
In der gesamten EU sieht Roelfes ein Problem in den Ost-West-Verbindungen, von denen es einfach zu wenige gebe, die gut ausgebaut sind. Der Ausbau der E233 sei eine wichtige Verbindung von Rotterdam bis Hamburg und weiter nach Skandinavien und der direkte Weg dorthin. Nicht ohne Grund führen auf der E233 über 50 Prozent Lkw. Deutschland bremse sich durch seine Behäbigkeit so selbst aus.

Kein Bahnausbau
Dass die zerstörte Friesenbrücke bei Weener nicht längst wieder aufgebaut sei, versteht Roelfes nicht. Seit Dezember 2015 ist diese nach der Kollision mit dem Frachter Emsmoon nicht mehr nutzbar und soll nun neu errichtet werden. "Hier verläuft die Wunderline, die eine direkte Verbindung zwischen der Region Groningen mit Oldenburg und Bremen herstellt. Wir waren und sind an dieser Strecke sehr interessiert, aber derzeit fährt hier nur eine kleine Fähre und der Schienenersatzverkehr. Es werden noch viele Jahre vergehen, bis hier wieder der Zugverkehr rollt."

Enttäuschend aus niederländischer Sicht war auch die Entscheidung, die Bahnstrecke zwischen Berlin und Amsterdam, die über Osnabrück und auch durch das südliche Emsland führt, nicht auszubauen. Der Plan der Bundesregierung war, dass die Züge auf dieser Strecke nicht mehr nur mit Tempo 140, sondern mit Tempo 200 fahren können. Die von der Bundesregierung beauftragten Gutachter kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass nur geringe Potenziale für eine Fahrzeitverkürzung von insgesamt sechs Minuten vorhanden seien. Diese alleine würden keinen Ausbau rechtfertigen. Die Reisezeit zwischen Amsterdam und Berlin betrage derzeit rund sechseinhalb Stunden. Um die Fahrzeit dennoch zu verkürzen soll durch den Einsatz neuen Lokomotiven, die mit den unterschiedlichen Stromnetzen in den Niederlanden und Deutschland zurecht kommen, der Lokwechsel in Bad Bentheim entfallen. Den Einsatz dieser neuen Fahrzeuge plant die Bahn ab dem Jahr 2023 und soll etwa 20 Minuten Reisezeit einsparen. Für Roelfes sei dies aber nur eine kurzfristige und wenig zukunftsträchtige Lösung.

Alte Wasserwege
Ein weiterer Kritikpunkt von Roelfes ist das Wasserstraßennetz, das ebenfalls keine günstige Ost-West-Verbindung in der Region hat. "Transportschiffe, die deutlich den Lkw-Verkehr auf der Straße reduzieren könnten, müssen, wenn sie von Rotterdam nach Bremen oder Hamburg fahren wollen, einen großen Umweg fahren", sagt der Regionsmanager. Einen direkten Weg gebe es nicht. So sei auch der Dortmund-Ems-Kanal nicht so weit ausgebaut, wie es wünschenswert wäre. Viele Schiffe könnten nicht vollständig beladen werden, da sie sonst zu viel Tiefgang hätten. "Der Kanal ist auf dem Stand von vor 50 Jahren. Da wäre noch viel Potenzial vorhanden."

Hemmnisse beseitigen
Roelfes ist sich bewusst, dass all diese Projekte noch viel Zeit brauchen. Trotzdem hofft er, dass in Zukunft die Hemmnisse vor allem auf politischer Ebene beseitigt werden können. Schließlich sei es im Sinne aller, wenn es eine gute Infrastruktur in der Region gebe. Das schaffe und sichere Arbeitsplätze.

Quelle: Meppener Tagespost