Rededuell zwischen Befürwortern und Gegnern in Meppen

Meppener Tagespost
19. Mai 2017
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In einem zweistündigen Rededuell haben Gerhard Roelfes, Geschäftsführer des Städterings Zwolle-Emsland, und Ulf Dunkel vom Verein „Verkehrswende Cloppenburg- Emsland“ die Vor- und Nachteile des vierspurigen Ausbaus der Europastraße 233 beleuchtet.

Von Hermann-Josef Mammes

Meppen - Veranstalter war die Bürgerinitiative Exit 233. 50 Zuhörer verfolgten die Podiumsdiskussion zum 84 Kilometer langen Ausbau in der Gaststätte Kösters in Meppen. Zu Beginn teilte Bernd Borghorst mit, dass er nach der Gründung der Bürgerinitiative in 2016 die Sprecherfunktion in „jüngere Hände“ gibt. Der 80-Jährige betitelte den früheren emsländischen Landrat Hermann Bröring als „Urheber der Misere“. Dieser sei schuld, wenn „durch einen vierspurigen Ausbau das Emsland in zwei Teile zerschnitten“ werde. In Zukunft wird die Bürgerinitiative von Karsten Osmers, Otto Quaing und Helga Boven-Janßen gleichberechtigt geleitet. Osmers schlug moderate Töne an: „Wir sind klar gegen den vierspurigen Ausbau, nicht aber gegen eine dreistreifige Lösung, wie bei der B 54 im Münsterland.“

Gerhard Roelfes vom Städtering sieht in der Europastraße 233 die „West-Ost-Achse eines transeuropäischen Verkehrsnetzes“. Die Straße verbinde speziell die Grenzregion Emsland - Zwolle. Es gebe viele Kooperationen im Bereich des Arbeitsmarktes, der Hochschulen, des Tourismus, der Logistik und Medien. „Auch die EU wünscht sich einen schnellstmöglichen Ausbau“, sagt Roelfes. Er erinnerte, dass die Niederlande auf ihrer Seite die Autobahn 37 bereits Ende 2007 eröffnete. Diese sei vorher wie die E 233 auf deutscher Seite als damalige N 37 eine zweispurige Straße gewesen.

Todesstraße entschärft

Mit dem Ausbau sei aus der „Todesstraße“ eine sichere Verkehrsader geworden. Laut Roelfes ereigneten sich hingegen auf der E 233 auf deutscher Seite weiter viele schwere Verkehrsunfälle mit zehn Toten in den vergangenen drei Jahren. Ein vierspuriger Ausbau würde eine „Fahrt ohne Hektik ermöglichen und eine Zeitersparnis von 40 Minuten auf den 84 Kilometern bedeuten“. Er sagte, dass 75 Prozent der Verkehre auf der Europastraße ihre Ziele in der Region hätten. Selbst viele auswärtige Lastwagen führen hiesige Logistikzentren an oder seien im Auftrag von ortsansässigen Spediteuren im Einsatz.

Ulf Dunkel vom Verein Verkehrswende widersprach den Ausführungen vehement und betitelte den vierspurigen Ausbau als „Projekt Lügenautobahn“. Das Vorhaben sei „völlig unwirtschaftlich“. Zudem sei es keinesfalls eine der meist befahrenen Bundesstraßen. Mit 16 200 Fahrzeugen am Tag sei die Trasse sogar eher gering befahren. Es gebe andere Bundesstraßen mit bis zu 50 000 Fahrzeugen am Tag. Es sei nicht richtig, dass die Verkehre weiter zunähmen. „Ich hätte hierfür gerne aktuelle Zahlen“, forderte Dunkel.

„Als weitere Lüge“ bezeichnete er die Behauptung der Politik, dass die Region vom vierspurigen Ausbau profitiere. Die ländlichen Regionen verlören vielmehr durch solche Autobahnen, weil die Menschen dann verstärkt in die Großstädte führen. Dunkel wies weiter darauf hin, dass speziell das Emsland bereits eine „TOP-Region“ sei, die „keine Straße für eine bessere Zukunft“ mehr brauche. Er bekräftigte seine Forderung nach einem Transitverbot für Lastwagen, die die Trasse nur zur Durchfahrt von Antwerpen, Rotterdam/Amsterdam nach Hamburg/Bremen/dem Baltikum und Skandinavien nutzen. Diese sollten den 13 Kilometer langen Umweg über die A 30 und A 1 nehmen. Dunkel monierte, dass die ursprünglichen Planungskosten von sechs auf inzwischen 14 Millionen Euro angestiegen seien. Die Baukosten würden bereits auf 900 Millionen Euro geschätzt. Letztendlich würden es vermutlich 1,5 Milliarden Euro werden. Dabei falle ein Flächenbedarf von 500 Hektar an. Die Zahl der Ein- und Ausfahrten verringere sich von 120 auf 20. Den Zeitgewinn für Lkw-Fahrer bezifferte er auf „null“. Dunkel kündigte bereits jetzt an, das man gegen die anvisierten Planfeststellungsbeschlüsse klagen werde. Damit werde der Bau um Jahre verzögert. Unter dem Applaus vieler Zuhörer resümierte er: „Es ist noch nichts verloren.“

Mehr aktuelle Berichte und Hintergründe zur E 233 lesen Sie im Internet auf noz.de

Quelle: Meppener Tagespost

 

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